Die Ruine der Quernstkirche bei Frankenau

Nördlich von Frankenau im heutigen Nationalpark Kellerwald-Edersee liegt die Ruine der Quernstkirche. Der Wanderer findet heute nur noch Reste der Umfassungsmauer und Erdhügel vor, unter denen die Reste der Quernst vermutet werden.

 

In einem Bericht aus dem Jahre 1840 schreibt der damalige Bürgermeister Keller aus Frankenau: „ Dahingegen steht ein altes Gemäuer auf einem großen Triesch, die Quernst genannt, wo sicheren Urkunden nach früher eine Kirche gestanden hat, in welcher die hiesige Stadt mit dem großhessischen Dorfe Altenlotheim gemeinschaftlich ihren Gottesdienst hielt. Auf diesem Triesch hat zwar der Stadt noch ein Huterecht gehört, aber nicht zur diesseitigen Gemarkung.....“ Über die Gründung der Kirche auf der Quernst liegen keine Unterlagen vor. Der Sage nach soll die Kirche aus einem heidnischen Heiligtum entstanden sein. Sogar Bonifatius selbst soll an dieser Stelle gewesen sein.

 

Überliefert ist nur, dass die Kirche und das Gelände um die Kirche von den umliegen-

den Ortschaften Frankenau, Altenlotheim, Frebershausen, Asel und Bringhausen als Begräbnisplatz genutzt wurde und für die weiter entfernte Orte als Wallfahrtsort diente.  Später nach der Reformation wurden in den Gemeinden eigene Pfarreien gegründet.

 

Gottesdienste müssen bis etwa zum Jahre 1528 dort abgehalten worden sein. Der letzte Pfarrer der Quernst war der Priester Johannes Stroden. Der Ort war auch ein bedeutender Markplatz für die Anliegergemeinden, bis der Markt nach Frankenau verlegt wurde. Die Kirche wurde von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften abge-

brochen, teils verfiel sie in Trümmer. Die Glocken aus den Türmen soll der Herr von Itter, Wolf von Gudenberg, an sich genommen haben und daraus Kanonen gegossen haben.

 

Die Steine wurden auch zum Bau der alten Försterei und der Kapelle in Altenlotheim verwendet, derweil die Ländereien von dem Pfarrer aus Frankenau beansprucht wurden.Aufzeichnungen gehen aus dem Rechnungsbuch hervor. Das Rechnungsbuch aus der damaligen Zeit ist noch heute im Besitz des Pfarramtes Frankenau  Die Stadt Frankenau, die Besitzansprüche auf das Gebiet um die Quernst anmeldete, musste in langwierigen Streitverfahren, zuletzt bei dem großen Prozeß gegen den Staat Preußen im Jahre 1884, anerkennen, dass ihre Ansprüche unbegründet waren.

 

In der Bevölkerung wurde aber immer wieder erzählt, dass die Stadt bei dem Prozeß betrogen worden sei. Allenfalls die Pfarrei hätte aus heutiger Sicht ein Anrecht auf die Ländereien gehabt. Der Forstfiskus ließ damals keinen Zweifel über die Besitz-

verhältnisse aufkommen und forstete die Flächen mit Fichten auf. Die Flächen des früheren Friedhofs und des Kirchenschiffes wurden ebenfalls mit Fichten bepflanzt. Die Fichten standen bis zu den großen Stürmen in den Jahren 1989/90 auf dem Gelände.

 

Eine umfassenden Ansicht über den ursprünglichen Bereich des Triesches auf der Quernst war erst nach diesen Ereignissen möglich. Zum Schutz der Wanderer wurde vor einigen Jahren eine Schutzhütte errichtet, die auch über die geschichtliche Entwicklung und die Sagen dieses interessanten Platzes informiert.

 

Die Forstverwaltung errichtete zudem  eine Aussichtsplattform, von der bei guter Sicht die  Berge des Sauerlandes zu sehen sind. Bereits vor Ausweisung des Nationalparkes wurde darüber diskutiert, auf der Quernst eine Kapelle zu errichten. Interessierte Bürger aus allen umliegenden Gemeinden haben sich zu einem Förderverein zusammen-

geschlossen, der dieses Projekt auf den Weg bringen soll. Studenten der Universität Kassel haben im Rahmen ihrer Studien Entwürfe für eine solche Kapelle entwickelt und auch in der Öffentlichkeit vorgestellt. Zusätzlich sollen archäologische Untersuchungen und nach Möglichkeit auch wissenschaftliche Grabungen dazu beitragen, das Quernstgelände weiter aufzuwerten.

 

Es wird allerdings  von den finanziellen Möglichkeiten des Landes Hessen, der Kirchenverwaltung und der Anliegergemeinden abhängen,  ob sich ein derartiges Vorhaben verwirklichen lässt. G.K.

Die Quernst - Heute -